Effektive Prompts, die wirklich funktionieren
Acht Minuten. Eine echte Aufgabe von deinem Schreibtisch. Ein Schema, das in 80% deiner KI-Anfragen funktioniert, ab heute.
Was wir hier durchgehen
Warum dein erstes Prompt oft daneben geht
Du kennst das Bild. Du tippst „Schreib mir eine E-Mail“ in eine KI, und raus kommt etwas, das sich liest wie ein LinkedIn-Gedicht für Vertriebsleiter. Das ist kein Bug. Das ist, was passiert wenn du zu wenig sagst.
KI hat keine Information über dich, deine Firma, den Empfänger, deine Beziehung zu dieser Person, oder den Ton, den du sonst verwendest. Also rät sie. Und sie rät Richtung Durchschnitt. Der Durchschnitt aller Geschäftsemails der Welt ist eine generische LinkedIn-Vibe.
Die gute Nachricht: das lässt sich in 60 Sekunden fixen. Du brauchst kein „Prompt Engineering“. Du brauchst vier Sachen.
Die vier Bausteine
Stell dir KI vor wie eine neue Praktikantin. Sehr fleißig, sehr begabt, kennt aber noch niemanden in der Firma. Vier Sätze, dann kann sie los.
- Wer du bist (Rolle). Beruf, Branche, Sprache. „Ich bin Buchhalterin in einem kleinen Bauunternehmen in Linz.“
- Was du brauchst (Aufgabe). Konkret, keine Andeutungen. „Schreib eine Mail an einen Kunden, der seit 6 Wochen eine Rechnung nicht bezahlt hat.“
- Wie du's haben willst (Form). Tonalität, Länge, Anrede. „Höflich aber bestimmt. Max. 80 Wörter. Per-Du, ich kenne den Kunden.“
- Was du NICHT willst (Grenzen). Ohne diese Zeile macht KI jedes Mal zu viel. „Keine Drohung mit Inkasso. Keine Klammern mit Erklärungen. Keine Aufzählungen.“
Schau, was passiert
Gleicher Anlass in zwei Versuchen. Du musst deinem Vermieter sagen, dass der Boiler tropft.
Prompt A (was die meisten tippen)
Was rauskommt: drei Absätze, „Sehr geehrte Damen und Herren“, eine Aufzählung mit Stichpunkten, eine Andeutung auf Mietminderung. Etwas, das du nie verschicken würdest.
Prompt B (mit den vier Bausteinen)
Was rauskommt: vier Sätze. Klingt wie du. Du würdest sie genau so abschicken.
Der einzige Unterschied: 30 zusätzliche Wörter im Prompt. Das ist das ganze Geheimnis.
„Klingt nach Prompt Engineering. Also genau die Mode, von der ich in zwei Jahren nichts mehr hören will.“
Halb stimmt das. „Prompt Engineering“ als Buzzword wird hoffentlich verschwinden. Aber präzise sagen, was du willst, das war schon eine Fertigkeit, lange vor KI. Du übst sie jeden Tag, wenn du eine Mail an deinen Chef schreibst, eine Bestellung beim Tischler aufgibst, deinem Steuerberater erklärst, was du brauchst. KI macht diese Fertigkeit nur sichtbarer. Sie verschwindet nicht mit der Mode.
Drei Fehler, die jeder macht
1. Du fragst zwei Dinge gleichzeitig
„Schreib die Mail und sag mir auch, ob ich rechtlich was beachten muss.“ KI macht beides halbherzig. Besser: zwei getrennte Prompts. KI macht eine Sache gut zur Zeit, wie die meisten von uns.
2. Du nimmst die erste Antwort
Es gibt keine erste-und-richtige Antwort. Antworte mit „kürzer“, „förmlicher“, „weniger generisch“, bis es passt. Vier Iterationen sind normal, nicht Scheitern.
3. Du gibst nach Versuch eins auf
Wenn Prompt A schlecht war: schreib Prompt B nicht von Null neu. Sag einfach „das war zu förmlich. Mach es lockerer.“ KI merkt sich den Gesprächskontext. Nutz das.
Genug zugehört. Jetzt selbst dran.
Acht andere arbeiten heute an Modul 2.
Probier es jetzt mit einer echten Aufgabe
Jetzt der Teil, in dem's hängen bleibt. Fünf Minuten Tippen, mit einer echten Aufgabe von deinem Schreibtisch.
Eine echte Aufgabe, vier Bausteine
Such dir etwas aus deiner Woche aus, eine Mail, ein Angebot, eine Übergabe, einen Vertrag. Schema anwenden. Vergleichen. Maximal dreimal korrigieren.
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Such dir eine echte Aufgabe Keine hypothetische. Etwas, das diese Woche auf deinem Tisch liegt. Je konkreter, desto besser das Ergebnis.
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Schreib dein Prompt: vier Sätze, vier Bausteine Nimm das Schema unten als Ausgangspunkt. Pass es an deine Situation an. Keine Sorge wegen Wortwahl, KI ist mit Grammatik nachsichtig. Ich bin [deine Rolle] in [Firma / Kontext]. Schreib [Mailart] zu folgender Situation: [die echte Situation]. [Ton, Länge, Anrede, Du oder Sie]. Bitte ohne [was du nicht willst].
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Vergleich. Sag, was zu fixen ist. Maximal drei Runden. Wenn's nach drei Runden noch nicht passt: das Prompt ist das Problem, nicht KI. Häng einen weiteren Baustein dran (meistens die Grenzen).
Fertig. Du hast jetzt ein Schema für 80 % von dem, was du KI je fragen wirst, E-Mails, WhatsApp, Behördenschreiben, Geschenkideen, die Kindergeburtstags-Einladung an die andere Klasse. Schreib's auf einen Post-it. Häng's an die Seite vom Bildschirm.
Eine Zeile, wenn du fertig bist
Was hat dich heute am meisten überrascht? Denk nicht nach. Der erste Satz, der kommt, ist der richtige.